Printen-Suppe
Ob
Kaiser Karl, der bekannte Aachener Ur-Preisträger schon Printen
verzehrt hat, hat sein Schreiber Einhard nicht überliefert.
Es ist aber anzunehmen, daß es damals schon Printen, wenn
auch nicht in den heutigen Luxusausführungen, gegeben hat.
Und da er mit seinen Mannen in vielen Feldzügen und Regierungsgeschäften
oft monatelang unterwegs war, und die Printen sich hervorragend
als Marschverpflegung und Eiserne Rationen eigneten, kann als gesichert
gelten, daß die Printen zumindest beim Militär schon
verbreitet waren.
Das Problem beim Verzehr dieser braunen Hartholz-Verpflegung waren
die schlechten Zähne der damaligen Zeitgenossen, denn Zahnärzte
oder Dentisten und neue Beißer auf Krankenschein waren damals
völlig unbekannt. Wer mit 30 Jahren noch Zähne hatte,
konnte leicht Vorbeißer bei Hofe werden oder wurde auf den
Jahrmärkten als Nußknacker ausgestellt.
Beim Militär wußte man sich anders zu helfen, denn jeder
Mann hatte sein Kupferkesselchen und Wasser und Reisig waren damals
noch im Überfluß vorhanden. Und so gingen die Militärs
vor: Die Printen in kaltem Wasser aufsetzen, 2 ½ Std. bei
80° ziehen lassen (nicht kochen!) und die Printen wurden butterzart.
Die Printen-Suppe hatte ein ansprechendes Aroma und konnte in den
Feldflaschen der Militärs aufbewahrt werden. Außerdem
förderte regelmäßiger Verzehr die Verdauung.
Viel Später kam ein anderer Kaiser, der Napoleon aus Paris.
Dieser Herrscher machte sich über die Printen lustig, da man
sie nur mit Hammer und Zange essen könne. Seine Gardisten hatten
keine Kupferkesselchen und so erlebte dieser Herr sein Waterloo,
während die Printen den Siegeszug um die Welt antraten.
und
hier das überlieferte Grundrezept für die Aachener Printen:
Man nehme:
500 g brauner Sirup
500 g Mehl
200 g Zucker
100 g Honig
5 EL Wasser
je 1 Teel. gemahlene Nelken, Piment, Koriander
2 Teel. Zimt
1 Prise gerieb. Muskatnuß
1 Prise Natron
5 Gramm Pottasche
Man tue:
Das Wasser in einem Topf erwärmen, und Honig, Sirup und Zucker
darin auflösen. Die flüssige Masse abkühlen lassen.
Pottasche und Natron in etwas Wasser auflösen. Die flüssigen
Zutaten unter das Mehl und die Gewürze kneten. Den Teig etwa
5-6 Tage dunkel und kühl stehen lassen. Nach der Ruhezeit gut
durchkneten und ausrollen. Dann den Teig in ca. 4 x 10 cm große
Rechtecke schneiden. Auf einem leicht gefetteten oder mit Backpapier
ausgelegten Blech werden die Printen bei 200° C 20 Minuten gebacken.
Die heißen Printen mit Zuckerwasser bestreichen.
Die
Printen gibt es inzwischen in dutzenden von Varianten, mit oder
ohne Schokolade, ganzen oder halben Nüssen, weich, halbweich
oder extra-hart, in Luxusverpackungen oder einfach auf die Faust,
als Speiseeis oder Likör - nur als Printen-Suppe habe ich sie
seit langem nicht mehr genossen - aber das liegt natürlich
auch an der modernen Gebißpflege heutzutage.
Dank
an Fritz Witz - www.fritzwitz.de
|